Kapellen bei Loučovice
Entdecken Sie den Zauber des verschwundenen Dorfes Kapellen bei Loučovice...
Kapellen (tschechisch Kapličky) war ein Dorf südwestlich von Vyšší Brod auf einer Höhe von 950 m ü. M. Es entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an der sogenannten Helfenberger Straße, die Altenfelden mit Vyšší Brod verband. Bereits 1530 bestand dort eine Amtsverwaltung (Richteramt), und das Dorf gewann allmählich an Reichtum und Bedeutung. Es wurden eine Pfarrkirche, eine Glashütte gebaut und Torf aus dem nahegelegenen Moor gestochen.
Da es sich um ein fast ausschließlich deutschsprachiges Dorf handelte, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Mehrheit der Bevölkerung gewaltsam nach Österreich vertrieben. Neue Siedler wurden angesiedelt, doch durch staatlichen Druck und Verwaltungsmaßnahmen sank deren Zahl stetig, bis das Dorf vollständig aufgelöst und dessen Kataster der Gemeinde Loučovice zugeschlagen wurde. Das Gebiet wurde Teil des streng überwachten Grenzstreifens.
Das Dorf wurde letztlich vollständig zerstört. Heute sind nur noch die Fundamente der Kirche und einiger Häuser sichtbar. Auf dem Gelände der ehemaligen Dorfstruktur steht nur noch eine Jagdhütte und ein Eisenfragment eines Wachturms der ehemaligen Eisernen Vorhangs. Nach der Samtenen Revolution wurde das Gebiet wieder zugänglich gemacht. An der Stelle des Dorfes wurde ein steinernes Kreuz errichtet, an einem anderen Punkt eine Andachtsstätte mit Bank und hohen Felsblöcken, von der man eine schöne Aussicht auf das Moor Kapličky und den Teich bei der durchbrochenen Dammkrone hat. Mehrere markierte Wanderwege führen durch das ehemalige Dorf (es gibt einen Wegweiser), das heute oft von Wanderern, Radfahrern (die gern die ehemals für Grenzpatrouillen gebaute Asphaltstraße nutzen) und ehemaligen Bewohnern und deren Nachkommen besucht wird.